Camping für Anfänger: Was du brauchst & wissen solltest

Camping für Anfänger: Was du brauchst & wissen solltest

Seit ich denken kann, mache ich Campingurlaub. Was mit einem gemieteten Wohnwagen in der Bretagne begann, als ich gerade mal zwei Jahre alt war, entwickelte sich über einige Jahre mit Eurocamp und später dann dem ersten Familien-Wohnwagen zu einer richtigen Leidenschaft. Mama und Papa im Wohnwagen, Marie und ich im Zelt – so ging es Jahr für Jahr in die Provence und später an die französische Atlantikküste.

Meine erster Campingurlaub ging in die Bretagne, als ich zwei Jahre alt war

Eurocamp ist vor allem für Familien eine großartige Erfindung!

Mit Wohnwagen & Zelt verbrachten wir einen Urlaub nach dem nächsten in Frankreich

Mit 13 dann zum ersten mal ins Surfcamp, mit 17 der erste Urlaub ganz auf eigene Faust mit Eurolines und Zelt. Als ich dann eeeendlich 18 war, ging es, wie könnte es anders sein, zum ersten mal mit Auto und Zelt los – so waren mein Twingo und ein Igluzelt lange Zeit meine Begleiter.

Ein Schwesternurlaub mit Twingo & Zelt in Südschweden

Es folgten eine Wohnmobil-Tour durch die USA, 3 Monate im Campervan durch Australien und Neuseeland, ein Sommer mit meiner Schwester und ihrem VW T4 Joe the Van und schließlich kaufte ich im Herbst 2018 meinen VW Caddy, der dann in einer Art Familienprojekt campingtauglich ausgebaut wurde. 

Mit diesem kleinen Wohnmobil ging’s auf Nationalpark-Tour in den USA

Darf ich vorstellen: Bruce, unser Camper in Neuseeland

Während Camping lange Zeit die wohl minimalistischste Art zu Reisen war, gibt es heute Campingmobile, die einer Luxus-Suite nahekommen. Von Low-Budget Zelturlaub bis Glamping wird quasi alles dem Camping zugeordnet, aber ich kann hier natürlich nur aus meiner Sicht sprechen. In diesem Artikel fasse ich also gut 26 Jahre Camping-Erfahrung mit Zelt, Wohnwagen, Campervan und Minicamper für euch zusammen 🙂 Natürlich ist das ganze eher subjektiv zu betrachten und schildert nur meine Sicht auf die Dinge, es gibt hier bestimmt Punkte, die manch einer überflüssig findet oder auch Aspekte, die dem einen oder anderen fehlen. 

Hinweis: In diesem Artikel empfehle ich auch ein paar Produkte und habe entsprechende Links gesetzt. Das basiert alles auf meiner persönlichen Meinung, ich wurde nicht dafür bezahlt 🙂

Camping für Anfänger: Alles eine Frage der Einstellung

Grundsätzlich steht und fällt es mit der Einstellung: man muss sich bewusst sein, dass man beim Camping quasi 24/7 an der frischen Luft ist und sollte das auch mögen. Camping ist, zumindest nach meiner Auffassung kein Luxusurlaub, und es fallen ganz normale Haushalt-Tätigkeiten wie Kochen, Spülen, Waschen usw. an. Um das ganze mal zu testen und auszuprobieren, ob Camping überhaupt das richtige für einen ist, würde ich immer empfehlen, das mal an einem Wochenende unweit der Heimat auszuprobieren. Vielleicht mietet man sich ein Mobil oder leiht sich Zelt und Equipment von Freunden – ganz egal. Hauptsache, man testet erstmal aus, bevor man sich selbst mit Equipment ausstattet, denn da kann so einiges anfallen 😉

Vielleicht sollte man sich auf die Frage stellen, wieso man überhaupt Campen möchte und was man sich von dieser Reiseart erhofft. Bei mir stellt sich diese Frage nach all den Jahren nicht mehr, aber wenn ich so drüber nachdenke, fallen mir schon einige Gründe ein, warum ich das Campen so liebe: Da ist zum einen die Nähe zur Natur und die viele Zeit an der frischen Luft. Hinzu kommen maximale Freiheit und Flexibilität: Man muss sich nicht an irgendwelche vorgegebenen Frühstückszeiten halten, geschweige denn sich dazu schon etwas richtiges anziehen, man kann bleiben, wo es einem gefällt, wenn das Wetter schlecht wird, zieht man weiter. Man geht auf regionalen Märkten einkaufen, unterstützt so lokale Händler und die jeweiligen Regionen und lernt insgesamt Land und Leute besser kennen. 

Meine Camping-Packliste

Wenn dann soweit klar ist, dass Camping die richtige Reiseart für einen ist, kanns losgehen 🙂 Egal ob mit Zelt, Wohnwagen oder Camper – es gibt ein paar Dinge, die man einfach immer braucht, an die man aber nicht auf Anhieb denkt. Mir fallen da auf Anhieb zum Beispiel Campingadapter, Verlängerungskabel, Müllbeutel, Handfeger, Klopapier, Wäscheleine, Hammer usw. ein. Alles was man außerdem so braucht, hab ich auf meiner Camping-Packliste zusammengefasst, die ihr als Block in meinem Shop kaufen könnt. Ich habe sehr lange an dieser Liste gefeilt und sie Jahr für Jahr optimiert. Tatsächlich packe ich bei jedem Campingtrip mit genau dieser Liste, so vergesse ich (fast) nie etwas 🙂 

Stauraum & Ausrüstung

Egal wie man campt, Unmengen an Platz und Stauraum hat man eigentlich fast nie, und dieser will klug genutzt sein. Deshalb achte ich beim Kauf immer sehr auf die Packmaße und das Gewicht der Artikel. Generell bin ich deshalb Freundin von falt- und klappbaren Campingartikeln. Ganz besonders mach sich das bei meiner Küchenausstattung bemerkbar: Spülschüssel, Töpfe und Sieb sind faltbar, sodass sie sehr platzsparend verstaut werden können. Der Griff meiner Pfanne ist so drehbar, dass er ebenfalls kaum Platz einnimmt. Meine Küchenhelfer (Kochlöffel und Pfannenwender) lassen sich ineinander stecken. Für meine Klamotten nutze ich häufig Packtaschen, so lässt sich zum einen besser Ordnung halten und zum anderen kann ich sie z.T. ganz einfach vakuumieren, sodass auch hier wenig Platz in Anspruch genommen wird. Mein Heizlüfter für kältere Tage (nur über Landstrom betreibbar) ist ein extra kleines Modell und mein kleiner Wasserkocher (für Wärmflaschen, kann ich für kalte Nächte sehr empfehlen) ist ebenfalls faltbar. Meine Lampe ist zum Beispiel aufblasbar, wodurch sie ebenfalls kaum Platz beansprucht. Ihr seht: Platz kann man bei allen möglichen Sachen einsparen 🙂

Was das grundsätzliche Equipment betrifft, ist das natürlich auch etwas von der Camping-Art abhängig. Ich kann vor allem für längere Aufenthalte auf Campingplätzen ein kleines Vorzelt sehr empfehlen. Bei Wohnmobilen und neueren Campervans ist häufig schon eine Markise mit dran, bei Minicampern wie meinem Caddy empfiehlt sich für diesen Zweck ein Tarp / Sonnensegel und bei normalen Zelten gibt es auch einige Modelle, die direkt noch ein kleines Vorzelt vorne dran haben. Ein solches Vordach bringt verschiedene Vorteile mit sich: Zum einen vergrößert es den überdachten Wohnraum und bietet Platz für Schuhe, Tische, Stühle, Spülschüssel usw., aber darunter bleibt es z.B. abends auch länger warm und man kann länger gemütlich draußen sitzen. Außerdem bietet es neben dem Sonnenschutz auch Schutz vor Regen, und ich kann euch sagen, dass es sehr viel wert ist, wenn man nicht gleich nass wird sobald man den Camper verlässt. 

Ich nutze ein Sonnensegel von Decathlon als „Vorzeit“

Die Größe eines Zelts richtet sich natürlich zum einen nach der Personenzahl, die darin schlafen soll. Nicht zu vergessen ist jedoch auch, dass so ein Zelt ausreichend Platz für eine gewisse Menge an Gepäck bieten sollte. Klar kann man auch einiges im Auto lagern, aber das Zelt sollte (zumindest aus meiner Sicht) schon auch Platz für etwas Gepäck und Kram bieten. 

An Mobiliar sind natürlich Tisch und Stühle empfehlenswert – wobei man durchaus auch eine Decke als Sitzgelegenheit und einen umgedrehten Karton oder eine Kiste als Tisch nutzen kann. In jedem Fall sollte auch hier auf Größe und Gewicht geachtet werden und darauf, dass man sie im Auto oder Camper gut verstauen kann. Ich nutze im Caddy dafür die Heckklappe. 

Ich finde außerdem Kisten sehr praktisch. Am besten stapelbare Kisten, so wie die zahlreichen Euroboxen in meinem Caddy. Als ich noch mit Twingo und Zelt unterwegs war (die größte Herausforderung damals waren übrigens 3 Wochen durch Europa mit drei Mädels, aber es hat alles gepasst), hatte ich einfache  Kunststoffkisten mit Deckel in verschiedenen Größen dabei. Durch die Verschließbarkeit konnten diese dann auch außerhalb von Auto und Zelt bei jedem Wetter draußen stehen und dienten uns außerdem als Abstellfläche, Tisch usw. Multifunktions-Charakter ist was ganz feines bei Camping-Ausrüstung 🙂 Mehr Tipps, um Stauraum im Camper zu schaffen findet ihr hier.

Mit Gummischnüren habe ich eine wunderbare Halterung für Tisch & Stuhl in der Heckklappe meines Caddy

Badezimmer meets Kulturbeutel

Erstaunlicherweise nehme ich jedes Jahr wieder etwas Make Up mit, aber Tatsache ist, dass ich das eigentlich nie benutz – Beim Camping liegen meine Prioritäten eindeutig woanders 😀 Ich empfehle immer gerne 2 in 1 Produkte oder feste Produkte (Seife, Shampoo, Duschgel usw), um a) die Umwelt zu schonen und weniger Müll zu produzieren und b) weniger Platz im Caddy zu verbrauchen. Es braucht meiner Meinung nach auch nicht Bodylotion, After-Sun und was weiß ich, sondern ein großer Tiegel Nivea Creme (unbezahlte Werbung weil ich absoluter Fan bin :D) deckt all diese Haut-Bedürfnisse ab 🙂 Außerdem sollte fürs Wildcampen auch Outdoor-Duschgel & -Shampoo mit dabei sein!

Camping für Anfänger: Ein Hoch auf die Campingküche!

Hier wird es jetzt mal Zeit, mit dem Mythos aufzuräumen, beim Camping würden ständig Ravioli aus der Dose gegessen. Man sollte Camping niemals mit Festivals gleichsetzen 😀 

Wie weiter oben schon erwähnt, kaufe ich im Urlaub gerne regional und frisch ein. Zusätzlich kocht meine Schwester z.B. vorher immer einige Gläser Bolognese ein, das kann ich sehr empfehlen 🙂 Natürlich kocht man beim Campen jetzt nicht unbedingt 5-Sterne-3-Gänge-Menüs, aber es muss nun wirklich auch kein Fertig-Food sein. Abhängig von den sonstigen Kochgewohnheiten und Vorlieben kann man da schon etwas kreativ werden oder sich von der regionalen Küche inspirieren lassen. 

Die Stellplatzsuche 

Es kommt sehr selten vor, das ich für eine ganze Reise vorher alles buche. Manchmal buche ich einen oder zwei Campingplätze und mache den Rest spontan, manchmal buche ich aber auch gar nichts. Letzteres ist mir auch eigentlich lieber, das es mehr Freiheit, Flexibilität und Spontanität bedeutet. Campingplätze finde ich meistens, in dem ich nach „Camping + Ort“ suche, oder eben in einschlägigen Portalen und Apps wie park4night, pincamp, Camping.info usw. Die App Park4Night sollte meiner Meinung nach jeder Camper auf dem Handy haben (unbezahlte Werbung, weil ich Fan bin!). Dort sind nicht nur die meisten Campingplätze aufgeführt, sondern auch zahlreiche Wildcamping-Spots und Parkplätze.

Wildcamping auf einem park4night-Spot in der Eifel

Außerdem gibt es noch das Konzept „Landvergnügen„, das für mich absolut großartig klingt, aber leider konnte ich es bisher noch nicht ausprobieren. Der Gedanke hierbei ist, dass Bauernhöfe, die ja meist sehr viel Platz haben, einige Stellplätze für Camper zur Verfügung stellen. Im Gegenzug wird darum gebeten, dass man dann dort in den Hofläden einkauft – was ja wohl ein ziemlich guter Deal ist oder? 🙂 Die Höfe sind unterschiedlich ausgestattet und man kauft dafür einmal im Jahr eine Plakette, die zusammen mit einem Landvergnügen-Führer geliefert wird. Darin sind alle Landvergnügen-Höfe der Saison gelistet.

Meine Auswahlkriterien bei Campingplätzen

Bei der Suche nach Campingplätzen ist mir persönlich wichtig, dass sie nicht zuuu groß sind und auch nicht unbedingt über ein riesiges Angebot an Kinder-Animation usw. Verfügen. Das hat den einfachen Grund, dass ich das zur Zeit nicht nutze und somit auch nicht unbedingt mitbezahlen möchte 🙂 Kleine feine Familien-Campingplätze sind mir da die liebsten. Häufig gibt es Campingplätze direkt an Bauernhöfen oder auf ehemaligen Höfen, das finde ich sehr reizvoll. Die Lage des Platzes spielt natürlich auch eine Rolle und ist abhängig davon, was ich vor Ort so unternehmen möchte. Ansonsten finde ich eine einwandfrei funktionierende Stromversorgung wichtig (ist auch eigentlich immer gegeben) und saubere Sanitäranlagen. Großzügige Stellplätze, die idealerweise sogar parzelliert und ggf. sogar terrassiert sind, finde ich ebenfalls wichtig und wenn man dann noch eine schöne Aussicht hat, bin ich wunschlos glücklich 🙂 

Ich hoffe, dieser Artikel hilft euch, den Einstieg ins Campingleben zu finden – bei Fragen meldet euch einfach jederzeit 🙂 

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