Wandern am Lago Maggiore

Die 3 besten Argumente, am Lago Maggiore wandern zu gehen – inklusive einem Paradebeispiel

 

Der Lago Maggiore. Wie toll das klingt. So fern und doch so nah.

Der Name ist Programm. Lago Maggiore heisst auf deutsch Langensee. Und er zieht sich in die Länge. Fast 65 Kilometer lang. Vom flacheren italienischen Norden der Lombardei windet er sich, je nördlicher man kommt, zwischen immer steiler aufragenden Bergen bis hinein in die südliche Schweiz, in den Kanton Tessin. Oder, besser italienisch ausgesprochen: Ticino – das klingt so schön nach Fernweh und Sehnsucht.

Genau das trifft es. Die schweizerische Seite des Lago Maggiore, um die es im heutigen Beitrag geht, ist einer dieser Sehnsuchtsorte. Sommer, Sonne, Sonnenschein – und, etwas weniger offensichtlich, wunderbare Möglichkeiten, wandern zu gehen. In einer grossartigen Natur- und Berglandschaft.

zuFussunterwegs gibt dir 3 unschlagbare Argumente an die Hand, am schweizerischen Ende des Lago Maggiore wandern zu gehen!

 

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Argument 1: Kultur und Wandern

Ganz verschiedene kulturelle Einblicke sind dir garantiert, wenn Du den Lago Maggiore im Tessin besuchst. Sei es in den beiden kleinen, aber feinen, Städten Locarno und Ascona oder sei es, wenn du in die fast vergangene Kunst der Bewirtschaftung von Bergalpen in den einsamen Tälern eintauchst.

Locarno und Ascona, diese beiden Zwillinge, die nur einen Steinwurf voneinander entfernt liegen und sich eng an den Lago Maggiore schmiegen, bilden dabei den glamorösen Gegensatz zum Leben in den Bergtälern. Auf der einen Seite das la dolce vita, das süße Leben, mit Festivals, schönen Restaurants und ein bisschen Glamour, auf der anderen das harte Leben in den abgelegenen Tälern und in den Bergen.

Der Wanderer passiert hier auf seinen Touren immer wieder kleine idyllische Bergdörfer, die aber auch teilweise verlassen oder kaum bewohnt sind. Diese gehören genauso zum Tessiner Leben wie sogenannte Hungeralpen, also karge, mittlerweile verfallene Bergalpen, als Zeugen einer anderen Zeit. Oder, und das sind die richtig lohnenswerten Momente, er erreicht einen der nicht mehr sehr zahlreichen noch bewirtschafteten Bergbauernhöfe oder Bergalpen.

Ein Einblick in das ländliche Leben in den Bergen ist dabei garantiert. Man erfährt viel über dieses harte Leben, lernt verstehen, warum viele Bergbauern aufgeben mussten. Du findest aber auch eine Ausflucht aus dem eigenen hektischen Alltag.

Das Eintauchen in einen anderen Lebensstil erlaubt, das eigene Tun zu reflektieren und gegebenfalls auch zu hinterfragen. Die alpine Bergbauernkultur bietet dazu einen hervorragenden Gegensatz zum hektischen Leben in den Städten oder im Tal, tief unten.

 

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Argument 2: Wandern in einem (fast-)Nationalpark

Das Hinterland des nord-westlichen Ufers des Lago Maggiore, die bergzugewandte Gegend hinter Locarno und Ascona, ist eine faszinierende Landschaft. Neben den schon erwähnten eindrücklichen Bergdörfern locken vor allem die Berge, enge Täler und wilde Wälder des Locarnese. Teile dieser Wälder sind so dicht und wild, dass sie auch oft als kleiner Urwald bezeichnet werden. Es ist ein Gebiet von besonderer landschaftlicher Schönheit. Steil und zerklüftet, tiefe Schluchten und der urwaldähnliche Wald. Und das mitten in Mitteleuropa!

Die noch sehr ausgedehnten und naturbelassenen Wälder sollen nun einem neuen Nationalpark , dem Parco Nazionale del Locarnese, im Jahre 2017 unter Schutz gestellt werden. Gerade in den beiden Haupttälern des potentiellen Nationalparks, dem Centovalli und Valle Onsernone, gibt es viele lohnende Wanderungen.

Neben dem intensiven Naturerlebnis bieten sie im heissen Tessiner Sommer auch noch etwas: Schatten! Im wahrsten Sinne des Wortes heiß ersehnten Schatten!

Eine riesengrosse Auswahl über alle markierten Wanderungen in der Schweiz und somit auch im Tessin bietet übrigens Wanderland Schweiz. Von kurz bis lang, von wenig schwierig bis steil. Jeder, der gerne einmal wandern möchte, wird hier fündig werden.

 

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Argument 3: Wandern in den wilden und nicht so überlaufenen Bergen

Diese Tessiner Berge! Wildromantisch, steil, manchmal schroff, kühne Wege. Aber vor allem: wenig überlaufen. Es gibt Tage, da begegnest du niemandem, wenn du da oben unterwegs bist. Du hast sie für dich allein, diese herrliche Landschaft, intensive Natur und so wohltuende Stille.

Es gehört mit zum Schönsten, was die Wanderschweiz zu bieten hat, sich im Tessin durch steile, fast unbezwingbar anmutende Bergflanken hinaufzuschlängeln und dann urplötzlich auf einer Alpe, einem Bergbauernhof, zu stehen. Und dann diese Aussicht, tief hinunter und weit über den See sowie bis hin zu den 4000ern der Westalpen.

 

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Das Paradebeispiel? Eine Tour, die alles vereint: der Bergbauernhof Odro

Das perfekte Beispiel, um alle drei Argumente in einer Tagestour erleben zu können? Das gibt es! Und es ist einfach nachzuwandern!

Die Wanderung führt uns ins berühmte Valle Verzasca, in das kleine Örtchen Vogorno am gleichnamigen Stausee. Dort startet ein ethnografischer Rundgang hinauf nach Odro, auf eine immer noch bewirtschaftete Alp, hoch oben in den Bergen.

Eine Landschaft von grosser Anziehungskraft mit mehrfach wechselnder Szenerie erwartet den Wanderer.

Vogorno hinter sich lassend, führt der Wanderweg zuerst durch einen alten, ehemals genutzten Kastanienwald mit ehrfurchteinflössenden alten Kastanienbäumen und erreicht wenig später das Maiensäss Stavéll. Von dort zieht ein schöner Bergpfad durch lichten Wald hinauf nach Odro, das seit 1996 wieder ganzjährig bewohnt und bewirtschaftet ist. Wunderschön gelegen unter den steilen Flanken des Pizzo Vogorno.

Weiter führt der immer alpiner werdende Weg hinauf zur Alp Bardughè, bevor er schliesslich in sanften Kehren wieder die 1000 Höhenmeter verliert, die er gerade vorher gewonnen hatte und schliesslich wieder in Vogorno endet.

 

Warum ist die Wanderung nach Odro ein Paradebeispiel?

  1. Erlebe Agrotourismus in den Bergen im kleinen Betrieb von Odro, der auf 1200 – 1300 Metern liegt. Das Besondere: man kann dort essen und auch übernachten und die famose Aussicht über den Lago Maggiore geniessen – inklusive Sonnenauf- und -untergang. Jean-Louis, der Besitzer von Odro, hat ausserdem ein kleines Heumuseum eingerichtet, das einen sehr echten Einblick in das harte Leben der Bergbauern bietet.
  1. Das Teilstück zwischen Odro und der Alp Bardughè (1600m) ist ein alpiner Bergwanderweg, der sich unter dem imposanten Pizzo Vogorno entlangschlängelt. Bergwandern pur!
  1. Die wechselnden Kultur- und Naturlandschaften auf dieser Wanderung alleine sind die Mühen wert. Der Wanderer bekommt Einblicke in ehemals genutzte Kastanienhaine, erreicht mehrere Maiensässe, erlebt eine alpine Bergwelt und erhält einen intensiven Eindruck, was Landwirtschaft in den Alpen bedeutet.

 

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Was musst du noch wissen?

Start- und Endpunkt: Vogorno im Valle Verzasca; die Wanderung ist ausgeschildert und markiert.

Dauer: 5 Stunden

Länge: 11 Kilometer

Höhenunterschied: 1158m

Übernachtung: in Odro (bewirtschaftet, ebenfalls Essen) und Alpe Bardughè (unbewirtschaftet), beide vorher reservieren!

 

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Und nach dem Wandern, müde, kaputt und durchgeschwitzt, da gibt es nur noch ein letztes Ziel: ein kühles und erfrischendes Bad – im Lago Maggiore!

 

Zum Abschluss, da lasse ich Hermann Hesse zu Wort kommen, der im schönen Tessin lange Jahre gelebt hat:

“ … von da fällt der Blick unendlich leicht, beschwingt und frei, unendlich erstaunt, gespannt, beglückt und sehnlich immer weiter gezogen über eine grenzenlos weitgebreitete Berglandschaft mit vielen hundert Gipfeln hin und darüber in eine noch weitere, noch mächtigere, noch lockendere Himmelslandschaft hinein. Es gibt viel Schönes auf der Erde, Schöneres als dies gibt es nicht.”

 


Abmarschbereit: Guide Evgenij, Jana, Birgit, Jez fehlt auf dem Bild
 

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Jana Wessendorf vom Blog zuFussunterwegs.

Jana ist Naturliebhaber, Wandermensch, Blogger und ein kleiner Schokoladenfreak. Nach einigen Jahren Dauerlauf im Karriere-Hamsterrad ist sie nun zu Fuss unterwegs. Sie setzt sie sich erfolgreich für die Wiederentdeckung der Langsamkeit ein: im Alltag, in der Natur, beim Wandern und auf Reisen.

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