Schweden #6: Ein Baumzeltabenteuer in Gryts Schärengarten

Von Östergötland und Söderköping aus fuhren wir weiter in Richtung Osten und somit direkt an die Küste Schwedens.

Dieser Teil von Schwedens Ostküste ist geprägt von lauter kleinen Schären, also kleinen felsigen Inseln, die während der Eiszeit entstanden sind.

Wir steuerten einen Campingplatz in Gryt an und schlugen dort unser kleines Zelt mit Blick auf den Schärengarten auf, welchen wir schon am nächsten Tag genauer unter die Lupe nehmen wollten.

 

 

Neben zahlreichen Schweden ist dieser Campingplatz vor allem auch bei deutschen Familien sehr beliebt und so traf es sich, dass unsere Nachbarn aus der gleichen Stadt kamen wie wir und obendrein auch noch unsere Mutter und Tanten kannten. Verrückte kleine Welt – aber diese Begegnung bescherte uns zwei sehr lustige Spielabende. 🙂

 

Direkt auf dem Campingplatz befindet sich auch der bestens ausgestattete Kajakverleih Ostkustenkajak und so schnappten wir uns im späten Vormittag zwei Kajaks und paddelten los.

 

 

 

 

Der Betreiber von Ostkustenkajak, Christian, erklärte uns, was wir alles beachten mussten und half uns beim Einstieg in die Kajaks. Er gab uns einen Tipp für eine ‚leichte‘ Route und eine Karte des Schärengartens, und dann gings auch schon los.

Während ich das hier gerade schreibe, denke ich „ach das ist ja easy!“ – HAHA! Das war alles andere als easy, denn im Schärengarten sieht so gut wie jede Ecke gleich aus. Wir paddelten also fröhlich drauf los, folgten der Karte und der Beschreibung von Christian so gut es ging. Dann bogen wir ab und zack war’s vorbei mit der Orientierung. Zumindest mit meiner, aber das merkte ich noch lange nicht. Ich war fest überzeugt davon, dass wir auf dem richtigen Weg waren und konnte die Zweifel meiner Schwester überhaupt nicht nachvollziehen. „Du machst mich total kirre!“, sagte ich und fast artete es in einen handfesten Geschwisterstreit aus, als wir in einer Sackgasse landeten und ich einsehen musste, dass ich komplett falsch lag.

Wir paddelten also wieder ein ganzes Stück zurück und fanden dank Marie zurück auf den richtigen Weg quer durch die Schären. Ein Hoch auf deinen Orientierungssinn, Lieblingsschwester! Dir würde ich auch blind folgen. 🙂

 

 

 

 

 

So ging es noch eine Weile weiter, etwa drei Stunden waren wir unterwegs und absolut begeistert. Diese Landschaft ist wirklich der Wahnsinn. Außer uns war kaum jemand unterwegs, obwohl laut Christian optimale Bedingungen herrschten: Es war nahezu windstill und die Ostsee lag ganz friedlich da. Außerdem war es zur Abwechslung auch mal trocken und wir blieben den ganzen Tag lang vom Regen verschont.

 

 

 

Am Abend wollten wir dann der gesamten Reise noch das Sahnehäubchen aufsetzen und auf einer der vielen kleinen Inseln übernachten. Auch dafür gibt’s nämlich bei Ostkustenkajak das passende Equipment, aber dazu später mehr. Zunächst mal paddelten wir nämlich zu unserem Ausgangspunkt am Campingplatz zurück und gaben die beiden Einzelkajaks zurück. Anschließend fuhren wir zum nächsten Supermarkt und deckten uns mit ausreichend vitaminhaltigen Nahrungsmitteln ein: Knäckebrot, Schokolade, Gummischnüre…

Zurück am Campingplatz packten wir unserer Schlafsachen und das frisch erworbene Proviant ein, gönnten uns noch eine große Portion Nudeln und schlenderten wieder rüber zum Kajakverleih, wo Christian uns mit unserer neuen Ausrüstung vertraut machte. Diesmal brachen wir nämlich mit einem Zweimannkajak auf und hatten neben unseren sieben Sachen auch noch ein Baumzelt dabei, das wir dann auf einer der Inseln zwischen den Bäumen aufspannen wollten.

Ich muss gestehen, dass ich schon ein bisschen aufgeregt war, vor allem mit Blick auf den Himmel, der sich langsam aber sicher immer dichter zuzog. Was, wenn es heute Abend gewitterte und wir in strömendem Regen auf einer einsamen Insel festsitzen würden? Halb so wild, dachte ich, ich hatte schließlich meine große Schwester dabei und aus Zucker sind wir ja nun auch nicht. Also konnte das Abenteuer losgehen!

Wir peilten eine Insel ganz in der Nähe an, die Christian uns empfohlen hatte. Etwa eine halbe Stunde waren wir unterwegs, bis wir anlegten. Wir hüpften aus dem Kajak und zogen es an Land, packten schnell alles aus und begannen, unser Zelt aufzubauen.

 

 

Dazu mussten wir uns zunächst einmal drei passende Bäume aussuchen, was sich schwieriger gestaltete als gedacht. Vor allem die Entfernung der Bäume zueinander spielt hierbei eine wichtige Rolle. Nachdem wir drei oder vier verschiedene Baumkonstellationen ausprobiert hatten, fanden wir endlich die richtige: Direkt am Ufer auf einer Art Lichtung, spannten wir mit vereinter Schwesternpower die Gurte und zogen das Zelt hoch. Allerdings nicht zu hoch, denn sonst wären wir zwei Zwerge nicht mehr hineingekommen. Etwa 1m über dem Boden schwebend würden wir also diese Nacht verbringen. Verrückt!

 

 

Nachdem wir fertig aufgebaut hatten, setzten wir uns auf einen kleinen Felsen direkt am Wasser und sahen hinaus aufs Meer. Die Sonne verschwand langsam hinter den anderen Schären und es war ganz still. Außer uns war keine Menschenseele auf dieser Insel. Ein perfekter Augenblick, um die Reise einmal revue passieren zu lassen. Um ein bisschen Schwesternzeit zu genießen. Um sich nochmal aufs Wesentlich zu besinnen und zur Ruhe zu kommen. Hach, das Leben ist so schön!

 

 

 

Als es ganz dunkel war und langsam frisch wurde, kletterten wir ins Zelt. Zugegeben, das klingt leichter als es ist, denn bei jeder Bewegung fängt alles entsprechend an zu wackeln. Ich installierte mich zuerst und blieb dann ganz still liegen, damit Marie auch in Ruhe ihr Schlafgemach bereiten konnte. Das war jedoch ein kleiner Kampf: Als sie endlich in ihren Schlafsack gekrochen war, fing sie an zu meckern wie ein kleiner Rohrspatz, denn sie konnte einfach nicht verhindern, dass sie immer weiter runter zu mir rutschte. Da ich eine überaus nette und vor allem geduldige kleine Schwester bin (haha), bot ich ihr an, die Plätze zu tauschen. Vielleicht lag es ja an ihrem Schlafsack, dass sie so hin und her rutschte oder woran auch immer. Nachdem wir dann getauscht hatten, ging das Gezicke von vorne los. Sie kriegte sich gar nicht mehr ein, drehte sich von rechts nach links und wieder zurück und fand wohl einfach keine angenehme Schlafposition. Mit jeder ihrer Bewegungen, fing das Zelt erneut an zu wackeln und ich rutschte somit immer weiter auf sie drauf. Hörbar genervt davon, fluchte sie: „Das ist doch alles scheiße hier!“. Da reichte es mir. „Wenn du mal aufhören würdest dich zu bewegen, würde ich auch nicht immer weiter runter rutschen. Und scheiße ist hier gar nichts, du bist gerade dabei vermutlich einen der schönsten Abende des Jahres ausklingen zu lassen, du liegst in einem Baumzelt auf einer einsamen Insel, mitten in Schwedens Pampa neben deiner Lieblingsschwester, also hör endlich auf zu meckern.“ Da war sie still, die Gute. Hörte auf sich zu bewegen und schlief irgendwann endlich friedlich ein, bis sie am nächsten Morgen gut gelaunt wie eh und je erwachte. 😀

 

 

 

 

Hachja, gibt es eigentlich etwas Schöneres, als so zu erwachen? Ich glaube, nicht besonders viel.

Mit Knäckebrot zum Frühstück und einem kleinen Erkundungsspaziergang über unsere Insel ließen wir unser Baumzeltabenteuer ausklingen und paddelten gegen Mittag zurück zum Festland.

 

 

 

 

 

Noch mehr Bilder und Infos darüber, wie auch ihr so ein Abenteuer starten könnt, findet ihr hier!

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