Schweden #4: Schwesternzeit in Mariefred

Nachdem Judith mich nach gut zehn Tagen gemeinsamer Reise von Stockholm aus verließ, verbrachte ich vier Tagen alleine. Zu dieser Erfahrung und natürlich auch zu Stockholm gibt’s später mehr auf dem Blog. 🙂 Erstmal erzähle ich euch von der Weiterreise mit meiner Lieblingsschwester Marie:

 

Nach einer ziemlich kalten und viel zu kurzen Nacht, baute ich schon gegen 7Uhr früh morgens mein kleines Zelt ab und machte mich auf den Weg zum Stockholmer Flughafen. Ab heute würde ich nämlich nicht mehr alleine weiterreisen, sondern in Begleitung meiner Schwester Marie.

Als ich am Flughafen eintraf, erwartete sie mich bereits freudestrahlend in der Ankunftshalle und ich war dann doch ganz schön happy, wieder in Gesellschaft zu sein.

Zunächst verbrachten wir noch zwei Tage in Stockholm, aber zu dieser großartigen Stadt gibt’s zu einem späteren Zeitpunkt wie gesagt noch mehr hier auf dem Blog.

 

Ankunft in Mariefred

Von Stockholm aus fuhren wir dann etwa eine Stunde weiter ins Landesinnere in einen kleinen Ort namens Mariefred. Ursprünglich waren wir nur durch einen lustigen Zufall auf diesen Ort aufmerksam geworden: Meine Schwester heißt nämlich wie gesagt Marie, und ihr Freund Fred. Allein schon deshalb mussten wir also dort Halt machen und zumindest mal das Ortsschild fotografieren.

Wir steuerten unseren Campingplatz an und fühlten uns direkt sehr wohl. Mariefred Camping liegt direkt am Mälaren und verfügt natürlich auch über eine hübsche Badestelle. Früher befand sich hier das Freibad von Mariefred.

 

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Den ersten Abend verbrachten wir am Campingplatz und da es nun schon seit über 24 Stunden trocken war, war es eigentlich klar dass es bald wieder anfangen würde zu regnen. So geschah es dann auch und wir verkrochen uns schon recht zeitig ins Zelt.

 

Ein (halber) Strandtag am Ufer des Mälaren

Am nächsten Morgen überraschte uns ein strahlend blauer Himmel inklusive allerfeinstem Sonnenschein und so beschlossen wir, einen anständigen Strandtag an der Badestelle des Campingplatzes einzulegen. Schnell hüpften wir in unsere Bikinis und breiteten unsere Handtücher auf dem Steg aus. Welch herrliches Gefühl!

Leider setzte schon recht bald ein ziemlich frischer Wind ein, und wir waren gezwungen ein wenig umzuplanen. Bevor wir den Strandtag jedoch vorzeitig beendeten und uns in den Ort aufmachten, ließ ich es mir nicht nehmen, einmal flott in den wie sich dann herausstellte eiskalten See zu hüpfen. Und wenn ich eiskalt sage, dann meine ich auch eiskalt! 😀

Nach dieser entsprechend kurzen Erfrischung machten wir unser kleines Lager flott wetterfest (man weiß ja nie…) und spazierten den etwa 2km langen Weg durch den Wald nach Mariefred. Was ein hübscher Ort! Leider hatten die meisten Geschäfte bereits geschlossen und so kamen wir am nächsten Tag gleich nochmal zurück.

 

Mariefred – Ein absolutes Bilderbuchdorf

Mariefred ist tatsächlich ein typisch schwedisches Dorf, wie man es sich vorstellt. Die kleinen Gassen und die vielen bunten Holzhäusschen tragen ihren Teil zu dieser Bilderbuchkulisse bei. Dekoläden, Blumengeschäfte und antike Boutiquen reihen sich hier aneinander, abwechselnd mit einladenden Cafés und Büchereien.

 

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Der große Rathausplatz im Zentrum des Örtchens eignet sich besonders gut als Ausgangspunkt für einen kleinen Bummel. Hier befindet sich auch „Leila’s Generalstore“, indem Marie und ich ein kleines Vermögen für allerlei Küchenzubehör und sonstige Späße ausgaben. Dieser wunderbare Laden gehört Leila Lindholm, einer in Schweden bereits sehr populären Fernsehköchin und –bäckerin, die durch ihre natürliche Art und besticht. In ihrem Laden findet man Küchenzubehör aller Art und alles in wunderschönen Pastellfarben. Messbecher und Auflaufformen aus Emaille, bunte Muffinförmchen für den nächsten Kindergeburtstag und Cocktailschirmchen mit glitzernden Tierchen. Wir verbrachten hier mindestens eine Stunde und deckten uns komplett ein. Natürlich kauften wir nur Dinge, die wir unbedingt brauchten und ohne die wir keinesfalls weiterhin auskommen würden. 😉 Für mich war unter anderem ein tolles Backbuch dabei, das ich allen Backfans sehr ans Herz lege. Und allen, die wie Marie und ich verliebt in Pastellfarben und Emaille sind, kann ich nur raten mal bei Leila vorbeizuschauen. Wir sind seitdem absolute Fans! 😉

 

Schloss Gripsholm

Nach unserem Besuch in Leilas General Store spazierten wir weiter zu dem bekanntesten Highlight Mariefreds: Das Schloss Gripsholm wurde 1537 von Gustav Wasa erbaut und stellt seitdem das Wahrzeichen des Ortes dar. Auch heute wird Gripsholm noch von der schwedischen Königsfamilie genutzt: So wurde zB. im Jahr 2001 die Silberhochzeit von Carl XVI Gustaf und Silvia gefeiert.

 

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Kurt Tucholsky schrieb sogar einst einen Liebesroman darüber.

Wie einige andere Touristen, wollten auch wir das Schloss von innen besichtigen und schnell stellte sich heraus, dass sich dieser Besuch mehr als gelohnt hatte: Wir durften gefühlt jeden Raum des Schlosses betreten und konnten uns so gut in frühere Zeiten zurückversetzen. Zahlreiche Gemälde zierten die Wände und wir fühlten uns sehr wohl in Gripsholms Gemäuern. Auffällig war, dass man die meisten Dinge sogar anfassen durfte und auch wenn man sich auf eine der hübschen hölzernen Fensterbänke setzte, war dies kein Problem. Das fanden Marie und ich besonders toll, denn ansonsten ist derartiges in den meisten Museen ja verboten.

 

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Außerdem sehr beeindruckend fanden wir das schlosseigene Theater, indem extra für die Schlossbewohner Aufführungen stattfanden. Nicht schlecht!

 

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Das Gartenmuseum & ein wunderbarer Nachmittag

Da wir gerade so im Kultur-Flow waren, wollten wir direkt im Anschluss das Gartenmuseum Mariefreds besuchen. Dort waren wir schon am Vorabend vorbeigeschlendert und hatten gleich beschlossen, wiederzukommen.

Das Gartenmuseum ist ganz einfach ein wunderschöner alter Bauerngarten, der in allen möglichen Sommerfarben erstrahlt und von Apfelbäumen, Gemüsebeeten und Blumenmeeren geprägt ist. Außerdem gibt es einige alte Schuppen, die verschiedene kleine Ausstellungen beherbergen: So werden beispielsweise die Produktion von Pinseln und die Funktionsweise von Elektrizität sowie die Geschichte der Feuerwehr anhand sämtlicher alter Gerätschaften erzählt.

 

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Gerade als wir in diesem Schuppen standen, kam ein alter Mann herbeigeeilt und erklärte uns freundlich die verschiedenen Geräte. Da er Vorsitzender des Partnerschaftskommittees mit einer deutschen Partnerstadt von Mariefred ist, sprach der Mann gut Deutsch und wir konnten uns problemlos unterhalten. Er erzählte uns allerlei interessante Dinge über die Geschichte Mariefreds und aus seinem Leben und lud uns prompt zu einer Tasse Tee und Keksen ein, die wir natürlich gerne annahmen.

Ein weiterer Beweis für die Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit der Schweden!

So saßen wir eine kleine Weile in dem alten Haus und lauschten den spannenden Geschichten des alten Mannes und hatten einen wunderbaren Nachmittag.

Zum Abschied verwies er uns noch auf die angrenzende Näherei, in der seine Frau und eine Freundin die bekannten schwedischen Flickenteppiche herstellten und dort auch zum Verkauf anboten.

Wir verzichteten jedoch, denn schließlich waren unsere Portemonnaies noch von Leilas Generalstore strapaziert. 😉

Zum Abschluss eines wirklich tollen Tages in Mariefred tranken wir noch einen warmen Kakao mit Sahne in einem Café unweit des Rathausplatzes – so wie es sich für diesen Sommerurlaub gehörte – und schlenderten dann entspannt zurück zum Campingplatz, wo wir den Abend mit einem anständigen Campingmahl ausklingen ließen.

 

Ein Ausflug nach Strängnäs & ein großartiger Apfelkuchen

Den nächsten und letzten Tag in Mariefred verbrachten wir mit einem Ausfug in die Kleinstadt Strängnäs. Unser Fazit: Kann man machen, muss man aber nicht. 😀 Aus unserer Sicht hatte Strängnäs nicht sonderlich viel zu bieten und so drehten wir nur eine kurze Runde durch die Innenstadt und kehrten dann in einem dafür umso schöneren Café ein: Das Café Grassagården liegt in einem wirklich hübschen Innenhof zwischen roten Holzhäusern und hier werden Kuchen à la Großmutter serviert. Für den fantastischen Apfelstreuselkuchen mit Sahne hat sich der Ausflug schon gelohnt, aber wer darauf verzichten kann, der muss nicht unbedingt in diesen Ort fahren.

 

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Auf dem Weg zurück zum Campingplatz machten wir noch Halt auf dem Friedhof von Mariefred, denn hier liegt Kurt Tucholsky begraben:

 

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Der klare Himmel erlaubte uns dann am Abend, den Sonnenuntergang auf dem Steg am Campingplatz zu genießen und direkt im Anschluss krochen wir wie immer zeitig ins Zelt.

 

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Am nächsten Tag verließen wir Mariefred gegen Mittag, und brachen auf in Richtung Östergötland, wo wir ein bisschen Zeit am Götakanal verbringen wollten. Weiter ging die Schwesternreise! 🙂

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