Let’s be the Pulse of Europe!

Ich bin ein Dreiländereckkind. Aufgewachsen in der Nähe von Aachen, an der Grenze zu Belgien und den Niederlanden. Früher war mir nie bewusst, was das eigentlich bedeutet. Ich habe nie darüber nachgedacht, dass ich um von meinem Dorf aus nach Aachen zu kommen, zwangsläufig durch Belgien fahren muss. Und dass es etwas ganz besonderes ist, dass das einfach so geht. Einfach so mal eben zum Tanken nach Belgien, weil es dort günstiger ist. Schokostreusel und Vla in Holland kaufen. Zu IKEA nach Heerlen, statt nach Köln.

Zollhäuser an Landesgrenzen kenne ich nur leer und verlassen. Wenn ich heute über eine Grenze fahre, merke ich es kaum. Die Grenzen innerhalb Europas sind zwar immer noch da, aber sie sind geöffnet und das ist gut so. Ich bin damit aufgewachsen und finde das großartig!

 

 

Wieso wollen so viele das Ende der EU? Ganz ehrlich: Ich kann es nicht begreifen. Viele sagen, dass es vor allem ältere Leute sind, die gegen die EU sind. Aber das stimmt nicht. Auch viele junge Menschen in meinem Alter, sind dagegen. Egal welches Alter – ich kann es nicht begreifen. Bei der älteren Generation frage ich mich: Wollt ihr wirklich wieder so leben, wie vor der europäischen Union? Früher war alles besser, ja? Zur Erinnerung: Das oberste Ziel der EU war zunächst, den zahlreichen blutigen Kriege zwischen den Nachbarländern, die im Zweiten Weltkrieg mündeten, ein Ende zu setzen. Und das ist auch gelungen. Seit über 70 Jahren leben wir in einem friedlichen Europa, und das ist auch gut so. Und bei den jungen Leuten frage ich mich: Wenn ihr jemals gereist seit, andere Sprachen gelernt habt, vielleicht ein Auslandssemester oder ähnliches gemacht habt, wie könnt ihr dann ernsthaft gegen Europa sein?! Ist euch eigentlich bewusst, dass Schüleraustauschs und Städtepartnerschaften oder Institutionen wie zum Beispiel die Deutsch-Französische Hochschule und Erasmus, die so viele von uns schon bei Auslandsaufenthalten unterstützt haben, nur dank der europäischen Union existieren?

 

 

Ich persönlich muss offen gestehen, ohne ein Europa wie es heute existiert, wäre mein ganzes Leben komplett anders verlaufen.

Ich hätte weder meine Lieblingsschokostreusel in Holland gekauft, noch zahlreiche Sommertage am nahegelegenen Badesee in Belgien verbracht. Ich würde heute nicht über Grenzrouten entlang der deutsch-belgisch-holländischen Grenze wandern. Ich hätte weder meine Ausbildung in Paris gemacht, noch meine beiden Auslandssemester in Colmar. Ich hätte keine französischen oder spanischen Freunde und vermutlich würde es auch diesen Reiseblog gar nicht geben. Weil ich über geschlossene Grenzen sicher nicht so viel reisen würde, wie ich es jetzt tue.

Die ganze Welt wird durch Machthaber wie Trump und Erdogan ganz schön verändert und in der letzten Zeit ist auch das Europa, so wie ich es kenne, aus den Fugen geraten.  Antieuropäische Stimmen werden lauter, der Brexit war nur der Anfang. Rechtsextreme Politiker werden beliebter und mächtiger und kämpfen in vielen Ländern gegen unsere Gemeinschaft. Dabei muss man kein Schlaufuchs sein, um zu begreifen dass man als Gemeinschaft immer stärker ist, als alleine. Was passiert, wenn Rechtsextremisten ein Land regieren, dürfte ja allen hinlänglich bekannt sein und gerade bei uns in Deutschland sollten alle Alarmglocken schellen wenn Petry, Gauland oder Höcke wieder mal unsägliche Äußerungen gegen Flüchtlinge und Muslime in unserem Land machen. Während die sogenannte „Alternative für Deutschland“, die nun wirklich keine Alternative für unser Land ist, stärker wird, werden auch die rechtsextremen Parteien bei unseren europäischen Nachbarn stärker.

Umso schöner finde ich es, Sonntag für Sonntag zu sehen, wie gleichzeitig Tausende von Menschen in vielen Städten nach dem Motto „Let’s be the Pulse of Europe“ für Europa auf die Straßen gehen. Vor zwei Wochen bin auch ich zu so einer Veranstaltung gegangen. Am 9. April lag der Fokus von Pulse of Europe ganz auf der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich. Diese beiden Länder waren tatsächlich damals die Pulsgeber für die Europäische Union und sind auch durch ihren Freundschaftsvertrag von 1963 eng miteinander verbunden. Da ich zur Zeit in Colmar im Elsass studiere, war es nicht weit zu der Veranstaltung in Strasbourg (FR) und Kehl (DE). Die beiden Städte werden nur durch den Rhein getrennt, der gleichzeitig die Landesgrenze bildet.

 

 

Auf einer Fußgängerbrücke über den Rhein sollte eine große Menschenkette gebildet werden, um die deutsch-französische Freundschaft sowie deren Bedeutung für Europa zu unterstreichen. Was eine tolle Idee! Zusammen mit drei Freundinnen waren wir Teil dieser Veranstaltung, wir schwangen kleine Europafähnchen und sangen mit der Menge „Freude schöner Götterfunken“. Es war wirklich ein tolles Gefühl, und für mich ist ganz klar: Dieses Europa muss weiterhin bestehen und dafür müssen wir alle ganz klar einstehen. Denn ich möchte auch für meine Kinder später noch Schokostreusel in Holland kaufen und ihnen an alten Grenzübergängen erzählen, dass man lange vor meiner Zeit gar nicht so einfach über die Grenzen spazieren konnte.

Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass unser Europa noch lange bestehen bleibt.

Let’s be the Pulse of Europe.

 

2 thoughts on “Let’s be the Pulse of Europe!

  1. Hallo Anna,
    du sprichst mir so aus dem Herzen! Ich bin selbst ein europäisches Kind, das mehrmals Grenzen überschreiten durfte, bevor ich mich entschieden habe, mein Leben in Köln zu leben. Zumindest vorerst 😉 Mein Auslandsstudium wie auch meine Reisen ohne Grenzen will ich nicht missen und es will mir genauso wie dir absolut nicht in den Kopf, wie einige so stumpfsinnig und blind sein können, pauschal alles zu verteufeln, was mit der EU zusammenhängt. Zum Glück haben ja die Wahlen in den Niederlanden, Österreich und Frankreich gezeigt, dass die vernünftige Mehrheit schon weiß, was sie an der EU haben.
    Ich bin auch bei jedem Treffen der PoE in Köln und freue mich sehr, dass es diese Bewegung (neben vielen anderen) gibt und endlich auch mal anders ist, als die ewigen Nein-Sager.
    Viele Grüße
    Maria

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