Vom Heimkehren und Ankommen

…und dann schließen sich die Zugtüren. In exakt 2 Minuten wird der Thalys losrollen. Next stop: Home, sweet home.

Während die grauen Häuser der Pariser Vororte an mir vorbeirauschen, lasse ich meinen Tag langsam Revue passieren:

Heute klingelte der Wecker schon früher als sonst, denn bevor ich meinen letzten Arbeitstag antreten konnte, stand noch so einiges auf meiner To-Do-Liste. Ich kletterte aus dem Bett und die steile Wendeltreppe meiner kleinen Maisonette-Wohnung hinunter. Keine Ahnung, wie oft ich diese verfluchte Treppe runtergefallen bin. Mir wird ganz anders, wenn ich daran denke, dass dies der letzte Tag in meiner ersten eigenen Wohnung ist.

Ich mache mir Frühstück und setze mich raus in den Garten, auf die quadratische Holzbank direkt vor meiner Tür. Ich weiß noch genau, wie mein Vater und meine Schwester hier vor ziemlich genau 2 Jahren meinen Küchenschrank aufgebaut haben. Hach, das war ein schöner Tag. Kaum zu glauben, dass meine Zeit hier schon wieder vorüber ist.

Nach dem Frühstück muss ich mich sputen, ich muss noch meine letzten Sachen packen und dann das Appartment zurück an die Wohnheimsleitung übergeben.

Dann kann’s endlich losgehen. Schwer bepackt mit Rucksack, Koffer und Handtasche spaziere ich ein letztes Mal die rue de Charonne hinunter bis zum nächsten Taxistand. Ich bin traurig, zu gehen, aber ich freue mich auch, wieder heimzufahren.

Im Taxi bekomme ich eine SMS von meiner Mutter. Sie wünscht mir einen tollen letzten Arbeitstag und sagt, ich solle nicht traurig sein. Dann ist es um mich geschehen: Die erste Träne kullert los, die zweite folgt zugleich.

Wir überqueren die Place de la République, fahren vorbei am Gare du Nord und verlassen Paris an der Porte de Clignancourt.

Als ich ins Büro spaziere, ist alles wie immer. Meine Tränen sind getrocknet und als ich wieder der gleichen langweiligen Arbeit nachgehe, wie in den letzten zwei Jahren, freue ich mich noch mehr auf zu Hause.

Vor lauter Verabschiederei vergeht die Zeit im Flug und plötzlich ist es schon 15Uhr und ich verlasse ein letztes Mal meinen Ausbildungsplatz. Meine Kollegen wünschen mir alles Gute für die Zukunft und mir wird ganz warm ums Herz bei so vielen lieben Worten.

Als ich vor der Firma auf den Bus warte, drehe ich mich ein letztes Mal um und denke, dass es die richtige Entscheidung war, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Die zwei Jahre in Paris waren super und bisher tatsächlich die beste Zeit meines Lebens. Diese Zeit hat mich geprägt wie keine andere. Und trotzdem freue ich mich wahnsinnig auf zu Hause.

Den Weg zum Gare du Nord lege ich wie gewohnt in einer knappen halben Stunde zurück, sodass mir am Bahnhof noch gut 20 Minuten bleiben, bis mein Zug fährt.

Ich bin ein bisschen aufgeregt. Gespannt, wer mich in der Heimat am Bahnhof abholen wird. Was mich dort wohl erwartet? Bestimmt wird meine Schwester kommen.

…und dann schließen sich die Zugtüren. In exakt 2 Minuten wird der Thalys losrollen. Next stop: Home, sweet home.

Mit gemischten Gefühlen sitze ich in Wagen 28 und schaue aus dem Fenster. Zum Glück sitzt niemand neben mir und so habe ich ganz viel Platz, um meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Bin ich jetzt glücklich oder traurig? Glücklich, nach Hause zu kommen? Oder traurig, mein neues zu Hause zu verlassen? Ich weiß es nicht.

Vermutlich ist es eine Mischung aus beidem.
Ich freue mich auf all meine Lieben, die ich so lange immer nur sehr unregelmäßig gesehen habe. Ich freue mich auf meine Schwester, der ich jetzt endlich wieder öfter auf den Geist gehen kann (und andersrum;)). Ich freue mich auf meine Eltern und darüber, dass sie sich jetzt wieder ein bisschen weniger Sorgen um mich machen müssen. Ich freue mich auf meine Freunde, und darauf, dass ich in Zukunft nicht mehr jede Party verpasse. Und ich freue mich auf das, was kommt. Auch wenn ich noch gar nicht weiß, was das sein wird.

Aber ich bin auch traurig, dieser wunderbaren Stadt nun vorerst den Rücken zu kehren.

Ich glaube, letztendlich überwiegt das Glücklichsein. Weil ich immer eher nach vorn schaue, als zurück. Und weil sich durch jede Tür, die sich schließt, auch mindestens eine Neue öffnet. Und weil die Türen, die sich schließen, sich niemals für immer schließen.

Ich weiß genau, dass ich irgendwann auch nochmal für eine längere Zeit nach Paris zurückkehren werde. Aber erstmal freue ich mich, wieder nach Hause zu kommen und ein bisschen meine Heimat zu genießen.

Dann ist es 18.36h und der Thalys fährt in den Hauptbahnhof ein.

Ich steige aus und sehe meine Schwester, meine Tante und meinen Onkel. Und plötzlich sind alle Zweifel an meiner Freude auf zu Hause wie weggeblasen. Ich laufe auf meine Schwester zu und freu mich einfach, wieder da zu sein. Es fühlt sich gut an, zu Hause zu sein.

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Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade zum Thema Heimkommen von Ariane von Heldenwetter teil 🙂 

Zwei weitere spannende Beiträge zu dieser Blogparade:

– Lieschenradieschen-reist: Heimkommen

– Vom Fliegen Lernen: Zuhause – Stadtgefühle und das Heimkommen

 

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